Leopold-Hoesch-Museum

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Alex Müller, Vom Mähen zum Frieden
15.02.2021 - 08.08.2021

Ausstellung

Beschreibung

Frieden ist ein zentraler Begriff der westlichen Zivilisation. In der Antike wurde er als ein Ideal angesehen, bevor er historisch und philosophisch eine moralische Kategorie wurde, an die sich theologische oder psychologische Interpretationen anschlossen. Der Friede gilt zurecht als hohes Gut und als erstrebenswertes Ziel, soweit er nicht besteht.
Auch die Künstlerin Alex Müller, die aus Düren stammt und nach ihrer künstlerischen Ausbildung an der HBK Braunschweig heute in Berlin lebt und arbeitet, formuliert den Titel ihres aktuellen Werkzyklus‘ als einen Prozess, an dessen Ende der Moment der Ruhe und des Ausgleichs der Kräfte steht. Ausgehend von einem praxisbezogenen Begriff der bäuerlichen Welt, dem Mähen, formuliert der Titel einen Verlauf von
einer Aktion zu einem Zustand. Doch auch das Mähen kann durchaus metaphorische Bedeutungen haben.
In der Regel sind diese negativ konnotiert, wie beispielsweise mit dem Gevatter Tod, der als Sensenmann alles niedermäht. Und in der Tat bezieht sich der Werkzyklus mit 107 Zeichnungen (Fineliner, Kugelschreiber und Tusche) auf eine aktuelle gesellschaftliche und zugleich persönliche Extremsituation. Die als
Corona-Tagebuch bezeichnete Bildreihe ist über die Dauer von 107 Tagen entstanden und markiert den Zeitraum vom Tag der Krebsdiagnose des Vaters der Künstlerin bis zu seinem Todestag. Während dieser erste Tag mit dem Beginn des pandemiebedingten Besuchsverbots in deutschen Krankenhäusern zusammenfiel, lag der letzte Tag in einer Zeit, in der die Pandemie bereits beängstigende Ausmaße angenommen hatte. Die Analogie im Sinnbildhaften liegt in einer Parallelentwicklung, die von einem Erschrecken ausgeht, das gepaart ist mit Hoffnung, Mut und Verzweiflung, und an einen finalen Punkt gelangt, der eine Endgültigkeit markiert, die auch zur Ruhe kommen lässt. Insofern steht der persönliche Weg, der in dieser
Zeit zurückgelegt worden ist, durchaus auch konträr zu den Empfindungen, die die Corona-Pandemie wohl bei den meisten Betroffenen auslösen mag.
Alle Blätter des Corona-Tagebuchs sind betitelt – wie üblich bei den Werken der Künstlerin, die 2011/2012 mit „Cassiopeia und der Alberich“ bereits eine große Einzelausstellung im Leopold-Hoesch-Museum Düren hatte. Das erste Blatt nimmt den Begriff des Mähens ganz wörtlich: Aus der banalen, in ihrer Einfachheit aber vielleicht auch tröstlichen Tätigkeit des Rasenmähens wird Zuversicht geschöpft. Und auch
der weitere, zum Zeitpunkt des Entstehens ja nicht absehbare Verlauf des Zyklus‘ ist geprägt von Momentaufnahmen des alltäglichen Lebens. Zunehmend wird diese Abfolge aber durchsetzt von Erfahrungen der Sorge, der Überforderung, der Angst und des Traums. Und fast alle Bildmotive werden dominiert von einem stilisierten Repräsentanten des Corona-Virus‘, so wie er medial verbreitet wurde und sich als Bild
etabliert hat, noch bevor er genauer erforscht werden konnte. Formalästhetisch rufen die Motive des Zyklus‘ aber keineswegs nur Schrecken hervor, sondern zeugen auch von Humor und der Fähigkeit zu differenzierter Wahrnehmung.

Die Ausstellung „Alex Müller – Vom Mähen zum Frieden“ setzt damit ein Zeichen in einer Zeit großer Verunsicherung, gleichzeitig transportiert sie ein positives Signal und weist insofern über den aktuellen Anlass hinaus, als dass sie in einer unmittelbaren künstlerischen Auseinandersetzung Persönliches mit Gesellschaftlichem verknüpft und so Zusammenhänge aufzeigt, die wesentlich sind für die Verarbeitung
von krisenhaften Situationen.

Link zur Ausstellung:

www.museum-dueren.de

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